Landeselternbeirat lehnt neuen Elternfragebogen zur Einschulung ab
Im April machte er die Runde im süddeutschen Blätterwald: Der Protest des Landeselternbeirates zum Elternfragebogen, der im Rahmen der neuen Einschulungsuntersuchung vom Sozialministerium entworfen wurde. Fünf Seiten umfasst der Testbogen (siehe weiter unten), auf dem Eltern teilweise intime Fragen zur Familie beantworten sollen - natürlich alles nur zum Wohl des Kindes, auch wenn der Zusammenhang zwischen Kindeswohl und Frage nicht mehr nachvollziehbar ist.
Oder erschließt sich der Förderbedarf des Sprösslings etwa aus der Frage, ob und wie viel in der Wohnung geraucht wird? Was wir brauchen sind Antworten in Form von gezielten und effektiven Fördermaßnahmen, zusätzlichen Deputatsstunden für differenzierten Unterricht und eine intensive Kooperation zwischen Kindergarten und Schule sowie eine umfassende Schulung von KindergärtnerInnen und LehrerInnen. Was wir nicht brauchen, sind noch mehr Fragen, die Kinder nach Herkunft sortieren und gläserne Familien schaffen.
Viele Zuschriften haben den Landeselternbeirat zwischenzeitlich zu diesem Thema erreicht, von Eltern, die über den Fragebogen ebenso entsetzt sind wie wir. Stellvertretend für die Rückmeldungen veröffentlichen wir hier die Stellungnahme des Institutes für Praktische Pädagogik (IPP) in München, das den Fragebogen auch fachlich für ungeeignet hält:
"Wir leiden in der Pädagogik grundsätzlich an einer Fülle von Subjektivitäten in der Beschreibung von Kindern. Die Angaben strotzen vor individuellen Beurteilungen. Daten die für eine gezielte Förderung notwendig wären, kommen so nicht zustande.
Hier einige Beispiele dazu, wie in der Praktischen Pädagogik (EvolutionspädagogikŪ) vorgegangen wird:
1. Hat das Kind ein gutes Seitigkeitsverständnis?
2. Ist das Kind Linkshänder (Beidhänder), gibt es Linkshänder in der Familie?
3. War das Kind eine Kaiserschnittgeburt?
4. Kann das Kind sich im 3-dimensionalen Raum bewegen und orientieren? Hat es eine Vorstellung von oben /
unten, vorne / hinten, links / rechts? Kann es Fahrrad und Roller ahren, schwimmen, hatte es
Schwierigkeiten diese Fähigkeiten zu lernen?
Aus diesen Antworten erhält man tatsächliche Anhaltspunkte inwieweit Defizite im Gleichgewichtssystem und in der Körper-Hand-Augenkoordination vorliegen. Defizite auf diesen Gebieten sind die Ursache für viele Verhaltens- und Lernprobleme. Wir haben in unserer Pädagogischen Arbeit eine Vielzahl von Erkennungszeichen.
Vergleicht man unsere Fragen mit dem Fragebogen des Ministeriums wird deutlich, wie welt- und kinderfremd der Behördenfragebogen ist und wie falsche, unsinnige und unbrauchbare Daten erhoben werden und somit effektive Förderung verhindert wird. Würde die Pädagogik sich der neurologischen Erkenntnisse bedienen, würde der Leidensweg vieler Kinder verhindert werden.
Hierzu ein kleiner Ausschnitt aus der Gehirnkunde:
Schaukeln, drehen, Schwung holen, Gleichgewicht halten, Rhythmusempfinden (trommeln), sich hochziehen und nach oben schauen, Farben und Formen erkennen, (assoziieren) rückwärts balancieren - dies alles lieben Kinder. Sie brauchen Bewegung von Geburt an. Kinder sind für Bewegung aller Art sehr empfänglich. Dies liegt an ihrem von Geburt an hoch entwickeltem, Vestibularapparat. Damit ist das Gleichgewichtsorgan im Ohr, eine Art 6. Sinn für die Wahrnehmung der Körperstellung im Raum und des Gleichgewichts gemeint. Ein Zusammenhang zwischen gestörtem Gleichgewichtssinn und verzögerter motorischer Entwicklung liegt auf der Hand; jedoch stehen auch emotionale Probleme, Wahrnehmungs- und Konzentrationsdefizite, Lernschwierigkeiten, Sprachstörungen, ADHS und Autismus häufig mit einer Schwäche des Vestibularapparates in Verbindung.
Als einer der ausgereiftesten Sinne bietet der Vestibularapparat einen direkten Zugang zu dem sich entwickelten Gehirn. Hier muss Förderung ansetzen."
Das Münchner Institut hat einen eigenen Fragebogen entwickelt:
Der I.P.P.-Fragebogen zur Schulreife
Weitere Informationen bietet das I.P.P. München:
Institut für Praktische Pädagogik
www.institut-pp.com
Ernsberger Straße 14
81241 München
Tel. 089 / 8204145